12820 Multi-Jobber im Landkreis

Verdi:
Drastischer Zuwachs von Zweit- und Drittbeschäftigungen im Kreis Reutlingen.

(Schwäbisches Tagblatt Tübingen, 12.4. 2013)    Mehr als 12 820 Berufstätige waren im Jahr 2012 auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag der Vereinten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (Verdi) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat.

Die Zahl derjenigen, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Mini-Job als Nebenjob haben, ist in den vergangenen Jahren im Kreis Reutlingen drastisch gestiegen, heißt es in einer Pressemitteilung von Verdi. Eine Zunahme von 96 Prozent in zehn Jahren diagnostizierte Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Im vergangenen Jahr hätte sich mehr als jeder zehnte Beschäftigte im Kreis Reutlingen mit einem 400-Euro-Job nebenher etwas dazuverdient. „Das sind Menschen, die mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht mehr auskommen”, wird der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Fils-Neckar-Alb Martin Gross in der Mitteilung zitiert. Gross macht für das „Multi-Jobben” vor allem Niedriglöhne verantwortlich. „Auf der einen Seite werden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten, beispielsweise das Wohnen.

Abhilfe könne nur ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn schaffen, worin sich Verdi und NGG einig sind. „8,50 Euro pro Stunde – das ist der Mindestpreis, den Arbeit bei uns hat. Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, der hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können”, sagt die Geschäftsführerin der NGG-Region Ulm-Aalen/Göppingen, Karin Brugger. Doch selbst 8,50 Euro reiche gerade für ein Leben, das „haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau” liege. Die generelle Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde könne daher nur ein Einstieg sein.

Eine klare Absage erteilen Verdi und NGG dem Vorhaben der Bundesregierung, regional unterschiedliche Lohnuntergrenzen einzuführen. Das würde Deutschland zu einem Lohn-Flickenteppich machen und Billig-Regionen etablieren, in denen, so Gross, die Arbeit dann überall unter 8,50 Euro Stundenlohn gehandelt werde.

NGG und Verdi fordern die Bundesregierung angesichts der dramatischen Entwicklung auf, noch vor der Bundestagswahl einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro einzuführen. CDU/CSU und FDP sollten damit dem Beispiel von SPD und Grünen im Bundesrat folgen. ST

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