IAW Tübingen:
Zweifelhafte Studie zu Schwarzarbeit


(Remscheider Generalanzeiger, 5.Februar 2014) Tübingen. Die Bundesregierung schafft einer Studie zufolge neue Anreize, Geld mit Schwarzarbeit zu verdienen. Die Pläne für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Rente mit 63 führten dazu, dass in Zukunft mehr Geld am Staat vorbei verdient werde, heißt es in einer Studie der Universität Linz und des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW).


(Kommentar von Peter Kurz – Remscheider GA, peter.kurz@wz-plus.de, 5.2. 2014)
Vielleicht wird umgekehrt ein Schuh draus!

Die Rente mit 63 oder auch der Mindestlohn stehen unter Dauerfeuer: Belastung der Ren­ten­kas­sen, Generationen-Ungerechtigkeit, drohende Frühverrentungswelle, Verlust von Ar­beits­plät­zen. Der Argumente sind viele. Und doch zieht die Karawane der großen Koalition mit ihrer komfortablen Mehrheit weiter. Nun kommt jedoch ein weiterer Vorwurf hinzu – aus wissenschaftlichem Munde: Die Sozial-, Lohn- und Steuerpolitik von Schwarz-Rot fördere die Schwarzarbeit.

Zwar erscheint es zweifelhaft, dass Wissenschaftler den Anstieg der schon per definitionem im Dunklen liegenden Schattenwirtschaft in konkreten Milliardenbeträgen beziffern können. Doch dass höhere Arbeitskosten Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach Vermeidungsstrategien suchen lassen, klingt nachvollziehbar.

Aber hat beispielsweise die Rente mit 63 diese Konsequenz? Dass sie teuer wird, ist klar. Schon jetzt wurde die eigentlich fällige Senkung des Rentenbeitrags gestoppt. Doch nur weil der Rentenbeitrag nicht sinkt, werden Unternehmen und Angestellte diese Kosten nicht durch Schwarzarbeit wieder hereinholen wollen. Auch die angesichts der Misere in der Pflege dringend notwendige Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrags wird nicht dazu führen, dass die Menschen ihr Heil in der Schattenwirtschaft suchen.

Und der Mindestlohn? Wird der dazu fuhren, dass Unternehmen ihre Niedrigstlöhner auf die Straße setzen und die daraufhin ihre Brötchen schwarz verdienen? Diese müssten erst einmal Auftraggeber finden, die das riskante illegale Spiel mitspielen. Vielleicht wird ja auch umgekehrt ein Schuh daraus: dass nämlich durch einen Mindestlohn der Un­ter­bie­tungs­wett­be­werb eingedämmt wird und Aufträge seriös kalkuliert werden können.

Noch ein letztes in der Studie genanntes Beispiel: die unter der sogenannten kalten Steuerprogression leidenden Arbeitnehmer. Die stöhnen zwar zu Recht darüber, dass sie bei allenfalls leicht steigenden Realeinkommen überproportional viel Steuern zahlen. Doch werden sie deshalb sicher nicht ihre feste Stelle aufgeben und ihre Arbeitskraft schwarz anbieten.


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