Sozialwort der Kirchen:
“Das Papier ist weichgespült”


(Friedhelm Hengsbach [ehemaliger Leiter des Nell-Breuning-Instituts] im Gespräch mit Gerd Breker, Deutschlandfunk, 28.2.2014)
Die Kirchenoberen würden den Schulterschluss mit den wirtschaftlichen und po­li­ti­schen Eliten suchen. “Das gegenwärtige Papier ist eine Ohrfeige gegenüber dem ge­mein­sa­men Sozialwort vor 17 Jahren”, sagte der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach im DLF.


(…)
Breker: 17 Jahre haben wir warten müssen, Herr Hengsbach. Hat sich das Warten gelohnt?
Hengsbach: Gar nicht, denn ich finde, das gegenwärtige Papier ist eine Ohrfeige gegenüber dem gemeinsamen Sozialwort vor 17 Jahren und es ist auch eine Ohrfeige für das, was Papst Franziskus vor zwei Monaten in seinem Schreiben vorgetragen hat. Es ist, wie Frau Petermann sagt, es ist gleichsam der Spiegel der Großen Koalition bei den großen Kirchen. Es sind ja gar nicht mal die Kirchen, die das Papier geschrieben haben, sondern nur die Kirchenleitungen. Und das heißt, die religiösen Eliten oder die kirchlichen Eliten suchen den Schulterschluss mit den wirtschaftlichen und politischen Eliten. Und das ist ihnen wirklich gelungen.
(…)
Hengsbach: (…) Also: Erwerbsarbeit steht im Zentrum, das Geschlechterverhältnis wird überhaupt nicht diskutiert, die starke Akzentuierung auf die Industriearbeit wird nicht infrage gestellt im Hinblick auf die personalen Dienste, die im Gesundheitsbereich, Bildungsbereich und eben im Pflegebereich dringend also gefördert werden müssten. Die öffentliche Ver­schul­dung wird natürlich thematisiert, aber dass dieser öffentlichen Verschuldung eine ungeheure private Vermögensanhäufung gegenübersteht, ist gar kein Thema. Und wie man an diese Vermögen herankommt, an eine Umverteilung von oben nach unten und nicht von unten nach oben, wie es bisher der Fall war, das ist eben kein Thema.
(…)


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Eine Antwort auf Sozialwort der Kirchen:
“Das Papier ist weichgespült”

  1. Peter Boettel sagt:

    Warum gibt es in der katholischen Kirche nicht mehr Leute wie Friedhelm Hengsbach. Seit Jahren verfolge ich seine Kommentare in Zeitungen o.ä.; leider findet er bloß bei den maßgeblichen Leuten zu wenig Gehör. Wenn jemand Respekt (das Wort ist seit Hoeneß schon abgegriffen) verdient, dann Friedhelm Hengsbach, der stets gegen den Strom in Kirche und vor allem der kapitalistischen Gesellschaft sowie neoliberaler Regierungen schwimmt. Hoffentlich beleibt er uns noch lange erhalten!

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